Wir sind mehr
Wir sitzen da
Lassen unsere Füße herunterbaumeln
Da sind Saiten in unseren Köpfen
Ganz langsam gezupft 
Und während wir so sitzen
Fragen wir uns:
"Was wäre,
Wenn wir neu anfangen?"
Jetzt sofort
Abspringen
Fallen
Aufkommen 
Wo wir noch nie waren
Aber nun mal eben 
Gelandet sind
Eine neue Chance 
Ein neues Glück 
Ein neuer Mensch
Und wir ziehen 
Uns Stück für Stück aus 
Waschen die rote Farbe von unserer Haut 
Vielleicht sieht man uns dann endlich nicht mehr
Vielleicht können wir dann aufhören 
Neidisch zu sein so sehr 
Weil wir auch gern wüssten 
Was Heimat ist ohne danach zu suchen 
Dazugehören
Ohne es jeden Tag zu versuchen
Vielleicht hätten wir dann weniger Angst
Und wir liegen Abends in unseren Betten
Versuchen die Wut zu verstecken 
Denn zu allem was wir sagen
Schieben wir ein Lachen hinterher
Sonst könnte ja jemand denken 
Wir meinen es ernst 
"Lass uns nochmal anfangen", 
rufen wir und sind bereit 
Endlich nur für einen Moment 
Nicht mehr fremd zu sein 
Aber wenn wir uns unsere Identität lassen nehmen
Hätten wir dann wirklich ein erfüllteres Leben? 
Denn ja, ich weiß
Wir tragen alle Geschichten im Herz
Und ja, sie sind oft viel zu schwer
Und ja, wir brauchen Familie 
Aber sie ist so weit entfernt
Und ja, wir fühlen uns oft missverstanden
Sind dann genervt 
Aber vorallem ja: Wir können eigentlich so so so viel mehr
Wir können besonders sein 
Und die Welt neu drehen 
Können in die Zukunft schreien
Wir sind der Frieden
In dem ihr lebt
Wir waren nicht still
Wir haben gemeinsam was bewegt
Wir sind mehr als nur Zahlen auf Papier 
Wir sind echt und wir sind hier
Und wohin wir auch gehen
Es wird nicht sofort etwas geschehen 
Aber jeder von uns nimmt etwas mit 
Und trägt es weiter
Mal ist es nur ein wärmendes Lächeln,
Danach eine Einladung zum gemeinsamen Essen,
Nächstes Mal ein langes Gespräch tief in die Nacht
Und eine Freundschaft die daraus entstand 
Das geht an jeden der nicht differenziert 
Zwischen denen und wir 
Zwischen von dort und von hier
Wir werden nie aufhören einander mit Ideen zu bereichern
Glücklich machen und begeistern 
Deswegen bedeutet Neustart
Nicht immer neu Anfangen
Auch wenn man das leicht vergisst
Sondern den Mut zu haben
Dort weiter zu machen
Wo man schon lange ist
Wir geben wir nicht auf
Geben nicht klein
Hören nie auf hier zu Hause zu sein
Nicht nur ein Hashtag im Internet
Wir sind euer Morgen
Also gibt uns das Jetzt
Guckt uns ins Gesicht und sagt 
Was sind wir wert?
Und wir werden antworten:
Wir sind mehr.


Heimat 
Die Hände zittern
Als sie da stand am Straßenrand
Versuchte zu begreifen
Und dann langsam verstand
Es waren nur ein paar Worte
Und so viel Schmerz
Es nahm ihr zum zweiten Mal
Die Heimat aus dem Herz
Denn es bedeutete zu fliehen
Vor dem Hass in ihrem eigenen Land
Nur um zu sehen
Dass sich auf der anderen Seite auch Hass befand
Und dieser würde ihr vielleicht nicht mehr
Das Leben nehmen
Aber ihren Stolz
Und ihre Würde
Und all die Tage und Nächte lang
Die Kinder eng zur Brust
Das Herz so bang
Während Schuss nach Schuss
Wie ein Lied erklang
Jahre unter Trümmern liegen
Selbst noch heute Angst und Sehnsucht überwiegen
Und all die Tage und Nächte lang
In ihren Köpfen brüllen und schreien
Lass uns raus! Lass uns frei!
Es waren nur ein paar Worte
Und so viel Schmerz 
Es nahm ihr zum zweiten Mal
Die Heimat aus dem Herz
Die Worte sind verschwommen
Zittern in ihrer Hand
Man schickte sie zurück
In ihr sichereres Heimatland

Und sie? Sie wusste
Sie wollte sich glücklich schätzen
Sie hatte doch Freiheit! Sie hatte doch Rechte!
Durfte sie sich da überhaupt beklagen
Über weniger Bezahlung und unangenehme Fragen
„Wie viele Kinder wollen sie übrigens haben?“
Wenn andere ihren Mund aufmachen
Und an ihren Worten sterben
Ja, wie kann sie es wagen
Sich da beschweren?
Aber manchmal
Da sieht sie ihre kleine Nichte an
Und will ihr so gerne sagen
Du kannst alles machen
Du musst es nur wagen
Du kannst aussprechen, was du willst
Ohne dass es weniger zählt
Du kannst erreichen, was du willst
Weil man nur nach deinem Können
Und nicht deinem Geschlecht wählt
Du kannst tragen, was du willst
Ohne dass dir jemand etwas tut
Was du nicht wolltest
Was sie dir nahmen 
Und dir dann die Schuld daran gaben
Ja, manchmal
Da sieht sie ihre kleine Nichte an
Und will ihr so gerne versprechen
Du musst dir niemals den Kopf darüber zerbrechen 
Ob du dich glücklich schätzen musst
Du musst niemals die Konsequenz dafür tragen
Dass sich damals ein X
Statt einem Y paarte

Er hielt das Schild mit erhobenen Armen
Spürte wie er mit der Menge trieb
Wie sie ihm neuen Mut gaben
Er hatte es gestern Abend 
Heimlich in der Garage besprüht
Forderungen im lauten Grün
Er hatte darauf geachtet
Dass seine Eltern nichts mitbekamen
Da war die Angst, dass sie ihn nicht ließen
Und zu groß die Scham
Er hört sie alle reden und ihn belächeln
Junge, wach auf!
Du kannst die Welt nicht retten
Warte bis du älter bist
Dann wirst du schon verstehen
Das Leben ist nicht fair
Aber es muss halt weitergehen
Und er hört sie alle klagen
Es ändert sich doch sowieso nichts
Also warum sollte ich was sagen?
Warum sollte ich aufstehen und demonstrieren?
Weil du das verdammte Recht dazu hast!
Was hast du denn schon zu verlieren?
Du darfst doch wählen
Du darfst doch protestieren
Nur so können wir mit kleinen Schritten 
Lange Wege passieren
Nur so können wir später mit Stolz sagen
Wir waren nicht diejenigen
Die tatenlos zusahen
Er steht noch am Anfang
Das ist ihm bewusst
Doch um Demokratie zu verstehen
Braucht es kein Alter
Nur Vernunft
Es braucht Verantwortung
Für die Welt, in der wir leben
Es braucht Hoffnung
Für die Welt, nach der wir streben
Endlich Heimat geben 
Anstatt sie einander zu nehmen
Denn vor allem braucht es
Jeden
Einzelnen
Von
Uns.


Königin
Ich dachte
Am Boden liegen wäre schlimm
Aber es ist viel grausamer
Dich dort zu sehen 
Wissend
Anders als du
Kann ich dir nicht helfen 
aufzustehen
Dabei hättest du so viel mehr verdient
Du hast so viel mehr gegeben
Hast meine Hand so lang gehalten
Bis ich bereit war loszugehen
Also reiche ich dir jetzt meine
Schäm dich nicht sie anzunehmen
Ich setze mich eine Weile zu dir
Sei dir bewusst
Ich bin dankbar
Für all deine Jahre
Die du mir
Mit einem Lächeln schenkest
Obwohl du mit ihnen
Hättest die Welt füllen können
Stattdessen hast du mich
Zu deiner Welt gemacht
Dabei hast du stets gesagt
Ich solle für mich leben
Und nicht für dich
Insgeheim wissen wir beide
Das das schönste Leben 
Unser Gemeinsam ist
Ich bin die Welt
Die unter dir erstrahlt
Vielleicht ist es nicht
Dein Trost
Den ich suche
Dein Halt
Den ich brauche
Ich kann dir nicht versprechen 
Das unser Morgen ewig ist
Aber wo ich auch stehe 
Es ist dein Blick
Den ich finde
Stolz auf mir liegend
Es sind deine Augen
Der Ursprung meines Friedens
Ich bemerke
Wie ich meine Tränen vor dir verstecke
Denn das hast du auch getan
Damit dein Schmerz
Nicht mein Glück trübt
Du kannst endlich weinen
Auch wenn es nie aufhören wird
Mein Herz zu zereißen
Dafür hoffe ich
Das von deinem alles abfällt
Bis es ein Leichtes ist
Vom Wind getragen zu werden
Weiter als jeder Ort
An den du dachtest 
Während du Stück für Stück
Meine Träume
Zu deinen machtest
Und deswegen will ich dir einen
Meiner größten verraten
Ich will
Dass du weißt
Das Schönste an dir ist
Nicht wie glücklich du mich machst
Sondern dass du für mich etwas Besonders
Und für jeden in diesem Raum
Jemand anderes bist
Eine Stück Familie 
Mutter, Vater, Geschwister
Oder auch Großeltern
Ein Freund
Ein Begleiter 
Und manchmal auch Ratgeber
Zu sein
Ist keine Selbstverständlichkeit
Sondern eine Entscheidung
Denn egal wie kitschig
Leidenschaftlich 
Oder beständig und ruhig
Sie ist
Liebe
Liegt nicht
In der Ewigkeit
Du entscheidest dich
Jeden Tag auf's Neue 
Für sie
Für mich
Und wenn ich dich zurücklasse
Dann nicht 
Weil du schwach bist
Du hast mir gezeigt
Dass es sich lohnt
Die Krone zu richten
Und wenn du es eines Tages vergisst
Werde ich da sein
Um dich zu erinnern
Für mich bleibst du immer 
Königin


Drei Worte

"Beschreibe dich in drei Worten"
Manchmal frage ich mich
Was passieren würde 
Wenn ich dir das sage
Wenn wir uns gegenseitig 
Eigentlich komplett wahlos 
Ein paar Worte verraten
Wie falsch wir wohl liegen 
Aber trotzdem lächelnd nicken würden
Denn die Wahrheit ist
Ich hoffe
Dass du es mir verzeihst
Wenn ich nicht ganze Bücher über dich 
Oder dich
Oder dich
Schreibe 
Sondern viel zu oft
Nur eine einzige Zeile
Irgendwo schnell niedergekritzelt 
Und umgeblättert
Ich sehe nun mal
Nur einen Bruchteil von dir
Morgens beim Bäcker Kaffee kaufend
Oder neben mir auf dem Bus wartend
Vielleicht sitzt du sogar gerade hier
Fragst dich noch immer
Was deine drei Worte wär'n
Und warum wir nicht einfach
nur nach unseren Namen suchen müssten sich 
Um zu verstehen 
Wer wir sind 
Oder warum es nicht zumindestens
Ein Synonym für uns gibt
Warum du und ich
Und jeder um uns herum 
So unglaublich kompliziert sein muss
Ob wir uns deshalb in Schubladen stecken 
Uns in die Ecken quetschen
Den Schlüssel verstecken
Weil das so viel einfacher ist
Als zu begreifen
Wie viel mehr wir sind
Ob wir mehr von einander 
Aber vorallem von uns selber
Wüssten 
Würden wir uns mehr Zeit geben 
Und mehr Geduld haben 
Einmal aufhören
Nachdem zu suchen 
Was uns ausmachen soll
Und akzeptieren
Das wir jetzt in diesem Augenblick 
Nun mal nicht vollkommen zufrieden
Aber trotzdem
Genug sind
Denn was nützt es uns 
Wenn man sich in tausend Jahren
Noch an uns erinnert
Wenn wir es selber 
Nicht gerne tun
Also denke ich drüber nach
Wer ich heute war 
Stimmt nicht mit dem Bild überein
Das ich gestern sah
Manchmal strahle ich 
Und manchmal puste ich
Meine eigene Kerze aus
Wenn ich heute durch mein Zimmer tanz
Komm ich morgen nicht aus dem Bett heraus
Ich bin gerne mal Prinzessin
Verwöhnt und etwas eitel
Oft genug auch Kriegerin
Die Hand mit Dreck bekleidet
Ich glaub an die Ewigkeit
Und an den Moment 
Ich bin die die zu früh anhält
Und manchmal weiter rennt
Ich kann glücklich sein
Ich kann traurig sein
Aber niemals für immer
Jetzt mach ich die Welt zu einem besseren Ort
Und später ein bisschen schlimmer
Ich möchte nach den Sternen greifen
Und finde die Erde doch gemütlich
Warte Jahre mit Geduld
Guck auf die Uhr dabei minütlich
Habe Angst mich zu verpassen
Möchte durch die Welt reisen
Habe Angst mich zu verlieren
Möchte an diesem Ort bleiben
Ich rede zu viel
Und höre mich manchmal selber nicht
Wenn ich dann mal schweige
Interpretiere ich zu viel in mich
Ich brenne mit Leidenschaft
Und verglühe dabei zu schnell 
Bin schon wieder dunkel
War gerade noch zu hell
Manchmal fühle ich alles
Und manchmal eben nichts
Vielleicht liegt im Dazwischen 
Schon die Antwort an sich
Denn im Endeffekt ist es das
was wir brauchen
Um uns zu erfassen
Ein Mensch könnte niemals
In drei Worte passen

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